Aus Chiang Mai: Innovatives Thailand

Ich halte mich seit Anfang September in Chiang Mai auf, im Norden Thailands. Dies aufgrund der angeblich tiefen Lebenshaltungskosten und Vorhandensein  zahlreicher co-working spaces, Cafes, generell einem breiten und hochwertigen Gastro Angebot, überschaubarer Stadtfläche (reduziert Zeitverlust) und  deshalb (oder als Grund dafür?) hunderte – wenn nicht tausende – Digitale Nomaden, die hier leben. Es gibt genügend Reiseblogs, die über die lokalen Vorteile, Sehenswürdigkeiten und Angebote berichten. Ich will darauf hier nicht weiter eingehen, dafür von zwei Begegnungen berichten:

Schon in Bangkok, und nun auch hier in Norden bin ich absolut beeindruckt von der Kreativität und Innovationskraft vieler Thais! Da überrascht mich sehr, da ich das vorher in China nicht feststellen konnte, wo ich das Gefühl hatte, dass kulturell/erzieherisch bedingt Innovation in den Köpfen der Leute nicht richtig ankommen will. Auch haben die Thais einen guten Geschmack für Kunst und einen guten Stil.

Soeben sprach ich mit der Gründerin des Co-Working Spaces (namens „Addicted to Work“). Sie scheint ein enorm kluger Kopf zu sein. Was mich aus den Socken gehauen hat, ist, dass der Co-Workingspace nicht das Ziel ist, sondern nur der erste Schritt zu einem Utopia für digitale Freelancer! Eine sehr spannende Vision, die ich hier nicht näher beschreiben kann. In Kurz: Es soll eine neue Form von Zusammenarbeit in der Sharing Economy der digitalen Branchen werden (das beeinhaltet auch Musikproduzenten und Filmemacher).  Sie sucht jetzt einen Investor, der eine Million Dollar einschiessen kann, um die nötige Software zu entwickeln und das Konzept in einem bestimmten Bereich zu testen. Nicht gerade bescheiden, für eine einfache Frau aus einer einfachen Gegend einer kleinen Stadt eines Schwellenlandes. Sie selbst sagt, dass sie nur ein kleiner Wurm mit einem leistungsfähigen Gehirn sei. Sie wolle eigentlich lieber ein einfaches Leben, eine Familie gründen. Statt dessen berät sie die thailändische Regierung und hat für diese ein System entworfen, mit dem die neuen Hochgeschwindigkeitzüge des Landes überwacht werden sollen. Es geht darum, mittels künstlicher Intelligenz eine Früherkennung von kriminellen Taten in Zügen und Bahnhöfen oder auch Flughäfen zu erreichen! Das System wird mit Big Data aus dem Internet gefüttert. Künftig wirst du anhand deines Fotos auf Facebook automatisch registriert, wenn du in Thailand einen Zug betrittst! Thailand wird das erste Land sein, dass ein solches System einsetzt (zumindest offiziell). Das alles hat mich erneut aus den Socken gehauen.

Ebenfalls beeindruckt hat mich der Internet Unternehmer aus Bangkok, der nach dem Studium an einer Bangkoker IT Universität eine Software entwickelte, mit dem es möglich ist, das gesamte soziale Netz (FB und co.) innert Sekunden nach Stichworten zu durchsuchen und automatisch benachrichtigt zu werden, wenn diese irgendwo auftauchen. Er hat die Software aus eigener Neugier für sich selbst entwickelt, wurde aber per Zufall von einem Investoren entdeckt, der ihm ein Sprungbrett bot. Fünf Jahre später ist er mit einem Partner und bereits über 60 (allesamt sehr jungen) Angestellten schon in halb Asien tätig und hat Kunden wie z. B. Samsung und Nestlé! Dass es ihn auch finanziell  unabhängig gemacht hat, wurde mir bewusst, als der ca. 27 jährige mit einem Mercedes vorfuhr, der in Thailand ca. $300’000 kostet.

Ich glaube, ich sollte den zweit genannten Unternehmer mit der erstgenannten vernetzen… Ich bin auf jeden Fall dankbar, so viele interessante Leute kennen lernen zu dürfen, die die Welt verändern. Wenn ich nur einen winzigen Teil dazu beitragen könnte, wäre das noch befriedigender.

Nächsten Monat ziehe ich weiter nach Saigon/Hoh Chi Minh City im Süden Vietnams. Ein kommunistisches Land. Bin gespannt, ob die Innovationskraft dort mit Thailand mithalten kann, oder eher der chinesischen ähnelt.

Categories: Digital Nomadism, Entrepreneurship

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.